Projektgruppe „Wanderwolf“ – IFAW unterstützt Wolfsforschung per Satellit

Die Idee ist keine neue, aber sie fasziniert mich nach wie vor: Durch den Einsatz von Peilsendern kann das Wander- und Ausbreitungsverhalten von Wölfen genau nachverfolgt werden. Dies gelingt auch bei sehr scheuen und im Verborgenen lebenden Tieren, die man eigentlich kaum zu Gesicht bekommt, wie z. B. beim Wolf. Es wird möglich, ein besseres Verständnis vom Leben dieser Tiere zu bekommen.

In welchem Gebiet hält sich der Wolf gerade auf? Welche Region nutzt er, um seine Beute zu finden? Wie lange bleibt er in seinem Geburtsrudel, wann und wohin wandert er ab auf der Suche nach einem eigenen Revier? Antworten auf diese Fragen sind Voraussetzung dafür, die Wölfe besser schützen zu können und mögliche Konflikte zwischen Wolf und Mensch zu vermeiden.

So beteiligt sich der IFAW an der im Mai 2012 gegründeten Projektgruppe „Wanderwolf“: Sächsische Wölfe sollen mit GPS-GSM-Sendern (GPS-Peilsender zur Ortung per SMS) versehen werden, um mehr über ihr Wander- und Ausbreitungsverhalten zu erfahren. Dazu müssen die Tiere gefangen und betäubt werden, dann wird jeweils ein Sender mit Hilfe eines Halsbandes angelegt. Nach einer abschließenden Untersuchung über den Zustand und die Verfassung der Tiere werden sie wieder frei gelassen.

Diese anspruchsvolle Aufgabe erledigt das von den Projektträgern beauftragte Wildbiologische Büro Lupus um die Biologinnen Gesa Kluth und Ilka Reinhardt. Trotz ihrer umfangreichen Erfahrungen bedurfte es zunächst einiger Zeit, bis ein erster Erfolg zu verbuchen war. Im Mai 2012 konnte dann ein weiblicher Jährling (Welpe vom Vorjahr) des Milkeler Rudels auf einem Truppenübungsplatz bei Neustadt gefangen und besendert werden. Seitdem verraten die regelmäßig per SMS abgesetzten Ortungsdaten den jeweiligen Aufenthaltsort dieses Tieres.

Die Erfassung und Auswertung der Daten übernimmt ebenfalls das Wildbiologische Büro LUPUS. Solche Informationen sind wichtig, um Raumnutzung und Verbreitung der Wölfe in Sachsen besser zu verstehen. Diese Kenntnisse sind die Grundlage für verlässliche und gezielte Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit, beispielsweise für Nutztierhalter, die sich so auf die Anwesenheit eines Wolfes vorbereiten und entsprechende Herdenschutzmaßnahmen ergreifen können.

Von der Wölfin "Marie" (FT7) gibt es dank des Senders nun seit einem Jahr genaue Informationen über ihre Bewegungen und Aufenthaltsorte. Sie hält sich nach wie vor überwiegend in ihrem Geburtsrudel in der Region des Biosphärenreservats „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaften“ auf. Zuweilen erkundet sie die Gegend über die Grenzen des Territoriums ihrer Eltern hinaus. Dabei nutzt sie ein Streifgebiet von ca. 560 km².

Jetzt hatten die Wolfsforscherinnen wieder Glück: Kurz hintereinander konnte jeweils das weibliche Muttertier (Fähe) des Nieskyer Rudels und das des Daubaner Rudels gefangen und mit einem Senderhalsband versehen werden. Sie wurden „Greta“ (FT 8) und „Frieda“ (FT9) getauft. Nun sind wir gespannt, welche Erkenntnisse und Informationen die Sender dieser Tiere zukünftig verraten werden.

Letztendlich sind diese Maßnahmen ein wichtiger Baustein zum Schutz der Wölfe. Je mehr wir über das Leben der Wölfe wissen und verstehen, desto besser können sie geschützt werden. Durch verlässliche Information über das Leben der Wölfe kann besorgten Menschen gezeigt werden, dass eine Koexistenz von Wolf und Mensch gefahrlos möglich ist. Dieses Verständnis ist die Grundvoraussetzung dafür, dass der Wolf wieder eine Chance bei uns hat - als selbstverständliches und natürliches Mitglied unseres Ökosystems.

--RK

Helfen Sie uns, dass Wölfe in Deutschland wieder heimisch werden können.

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Experten

Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland