Nie mehr Walfleisch über deutsche Häfen

Finnwale: bedroht und trotzdem gejagtZuerst bekam ich einen Hinweis von meinen englischen Kollegen aus unserem Büro in London. Demnach transportierte die isländische Reederei Samskip im Februar/März 2013 mit zumindest einem ihrer Schiffe Walfleisch aus Island von Rotterdam kommend über Hamburg nach Tokio, Japan.

Walfleisch im Hamburger Hafen? Wie kann das sein? Sofort machte ich mich daran, der Sache nachzugehen. Das Walfleisch stammte offenbar vom Finnwal, einer stark bedrohten und streng geschützten Walart. Jeder kommerzielle Handel mit Walfleisch ist u. a. durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) verboten. Die Jagd auf Großwale ist außerdem durch die Internationale Walfangkommission(IWC) untersagt. Allerdings: Island, Norwegen und Japan ignorieren diese internationalen  Abkommen. Zudem durchläuft das Walfleisch „lediglich“ im Transit den Hamburger Hafen - und dies ist nach derzeitiger Rechtslage legal.

Unglaublich, ein unhaltbarer Zustand! Sogleich wandten wir uns an die Hamburg Port Authority und andere relevante Stellen deutscher Seehäfen sowie an die zuständigen Landespolitiker und an Bundesumweltminister  Peter Altmaier:  Deutsche Häfen dürfen nicht Teil einer Transportkette sein, über die Walfleisch in Abnehmerländer wie Japan gebracht wird und dazu beitragen, dass der dringend notwendige Schutz von Walen unterlaufen wird. Es müssen jetzt alle notwendigen Schritte unternommen werden, dass zukünftig kein Walfleisch mehr über deutsche Häfen transportiert wird!

Dann überschlugen sich die Ereignisse plötzlich. Die Kollegen von Greenpeace Deutschland meldeten, dass erneut ein Schiff von Rotterdam aus mit diesmal sechs Containern isländischen Finnwalfleisches im Hamburger Hafen eingetroffen sei. Die Container sollten dort umgeladen und dann weiter nach Japan verschifft werden. Massive Proteste und Aktionen von Greenpeace-Aktivisten im Hamburger Hafen sowie der öffentliche und politische Druck führten dazu, dass das Walfleisch nun wieder zurück zum Absender nach Island gebracht werden soll. Ein toller Erfolg!

Inzwischen haben wir erfahren, dass der Bundesumweltmister, nachdem sich „einige bedeutende Tier- und Naturschutzverbände an die Bundesregierung gewandt“ hatten, von sich aus aktiv geworden ist und mit einem Schreiben die Behörden der deutschen Seehäfen dazu aufgerufen hat, zukünftig freiwillig auf den Umschlag von Walfleisch zu verzichten.

Dies ist ein erster wichtiger und richtiger Schritt, der aber nicht reicht. Es muss gesetzlich  verbindlich festgelegt werden, z.B. in den jeweiligen Hafengesetzen, dass kein Walfleisch mehr über deutsche Seehäfen umgeschlagen werden darf.

Ich bin gespannt, was die Behörden und Politiker uns auf unsere Anfrage antworten werden. Dieses Beispiel zeigt, wie sensibel die Öffentlichkeit auf das Thema Walfang reagiert. Die Mehrheit der Deutschen will nicht, dass Walfleisch durch unsere Häfen transportiert wird. Das kann die Politik nicht ignorieren, schon gar nicht im Wahlkampf! Hoffen wir, dass die Wahlen den Walen nützen!

Robert Kless

Mit unseren Kampagnen setzen wir uns dafür ein, den kommerziellen Walfang weltweit zu verbieten. Unterstützen Sie uns dabei!

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