Illegaler Wildtierhandel: Der IFAW hilft Führungskräften von morgen internationale Verflechtungen besser zu verstehen

Der IFAW kämpft seit Jahren an vorderster Front gegen den Wildtierhandel und daran, seine Verbindungen zum internationalen Terrorismus aufzudecken. Erst kürzlich nahm IFAW Wildtier-Programmdirektor Kelvin Alie an einem Treffen zu diesem Thema am Eisenhower-Institut des Gettysburg- College in Pennsylvania teil.Jeden Tag werden Tiere für den illegalen Wildtierhandel gefangen und getötet. Das Geschäft hat ein jährliches Umsatzvolumen von geschätzt 19 Milliarden US-Dollar. Bei den Strafverfolgungsbehörden gilt der Wildtierhandel als genauso gefährlich wie Menschen-, Drogen- und Waffenhandel.

Der IFAW kämpft seit Jahren an vorderster Front gegen den Wildtierhandel und daran, seine Verbindungen zum internationalen Terrorismus aufzudecken.

IFAW Wildtier-Programmdirektor Kelvin Alie nahm kürzlich am Eisenhower-Institut des Gettysburg-College in Pennsylvania an einem Treffen teil, wo er einen Vortrag über die Finanzierung des Terrorismus durch das internationale organisierte Verbrechen hielt. Unter den Zuhörern waren Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten wie Außenpolitik, Wirtschaft, internationale Sicherheit und Umweltverträglichkeit. Weitere Experten aus den Bereichen Aufklärung, Drogenbekämpfung und aus der Sicherheitsbehörde vervollständigten das Expertengremium.

Sicherheitsexperten müssen komplexe Situationen richtig einschätzen und oftmals wichtige Entscheidungen treffen, ohne alle Details zu kennen.

Aus genau diesem Grunde fand ich es enorm wichtig, diese Experten zusammenzubringen. Denn sie werden diejenigen sein, die Entscheidungen treffen oder Entscheidungsträger informieren, wenn es um Resolutionen zum Terrorismus und organisiertes Verbrechen geht.

Wir wollten deutlich machen, dass militante Gruppen – wie al-Shabaab in Somalia, Janjaweed in Darfur und Boko Haram in Nigeria, die unglaubliche Gräueltaten gegen Menschen vollbracht haben – nicht nur jede Gelegenheit zur Ressourcenplünderung im Wildtierhandel wahrnehmen, sondern sich mittlerweile auf die Einkünfte aus dem illegalen Handel mit Wildtieren und deren Körperteilen verlassen. Laut einem gemeinsam von der UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) und INTERPOL herausgegebenen Bericht ist Elfenbein zum Beispiel die Haupt-Einnahmequelle der Lord’s Resistance Army (LRA) in Uganda.

Wir haben bei der Veranstaltung in Pennsylvania versucht, denjenigen, die am Eisenhower-Institut Umweltverträglichkeit studieren, deutlich zu machen, dass das internationale organisierte Verbrechen in eng mit heutigen Umweltanforderungen und -bedrohungen verknüpft ist. Die Wilderei, durch die Elefanten, Tiger, Nashörner und andere gefährdete Tierarten sterben, wird durch ein starkes und gefährliches internationales Netzwerk gefördert, für das lokale Gesetze und Behörden keinerlei Bedeutung haben. 

2013 war ein Rekordjahr, was die Beschlagnahmung von Elfenbein betrifft. Mit Beschlagnahmungen von 5.000 Kilo und mehr konnten die größten Elfenbeinfunde gemacht werden, die es jemals gab. Allein diese Größenordnungen machen klar, dass es sich hier um organisiertes Verbrechen handelt. Für kleinere kriminelle Gruppen und Einzelpersonen ist es unmöglich, den Transport derart großer Lieferungen über Ozeane und Ländergrenzen hinweg von Afrika nach Asien zu organisieren.

Die Verbindungen zwischen illegalem Wildtierhandel und terroristischen Gruppen wurden auch schon in unserem IFAW Bericht “Criminal Nature: The Global Security Implications of the Illegal Wildlife Trade” sowie im “Midterm_Report einer Expertengruppe an den Sicherheitsrat der UN über die Demokratische Republik Kongo aus Juni 2013 offen gelegt.

Selbst die US-Regierung räumte ein, dass es sich hier um ein immenses Problem handelt. Präsident Obama schrieb in einer diesjährigen Verfügung, dass eine präsidiale Task Force gegen den Wildtierhandel einzurichten sei: “Aus der Wilderei in kleinem Rahmen ist ein koordiniertes Abschlachten geworden, dass durch bewaffnete und organisierte kriminelle Syndikate gesteuert wird.“  

Immer mehr staatliche Behörden schließen sich zusammen, um gegen den illegalen Wildtierhandel vorzugehen. Dazu gehören INTERPOL, die Lusaka Agreement Task Force (LATF) sowie die weltweite Zollbehörde (WCO). Hinzu kommen Behörden auf lokaler, bundesstaatlicher sowie Umwelt- und Nationalpark-Ebene.

Wir haben festgestellt, dass die meisten Behörden für sich allein arbeiten. In der Regel findet kein Informations- oder Ressourcenaustausch statt, obwohl dieser könnte zu besseren Ergebnissen führen könnte. Jetzt jedoch sind die Bedrohungen so groß, dass ein Handeln über den Kompetenzbereich der staatlichen Einrichtungen hinaus unumgänglich wird. 

INTERPOL hat vorgeschlagen, in allen Ländern nationale Arbeitsgruppen (NESTs) einzurichten, um ein koordiniertes Vorgehen bei Wildtierverbrechen zu ermöglichen. Allen Ländern, die eine solche Arbeitsgruppe einrichten wollen, verspricht INTERPOL Schulungen und operative Unterstützung. Doch bisher haben erst wenige Länder dieses Angebot angenommen.

Wie sollte es weitergehen?

Wir müssen gefährdeten Regionen helfen:

  • durch die Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen Behörden, Regierungen und Gemeinden.
  • durch die Unterstützung von Gemeinden, die bisher entweder keinen Wildtierschutz haben oder durch Armut zur Wilderei gezwungen werden. So können wir verhindern, dass das organisierte Verbrechen einflussreicher und gefährlicher werden kann.  
  • Ermutigung von Vollzugsbehörden, zusammenzuarbeiten, um ein höchstmögliches Strafmaß zu erzielen und Netzwerke zu zerschlagen.

Wenn die kommende Generation von Politikexperten und Führungskräften das Netz aus Verbrechen, Angst und Töten, das eine Spur der Verwüstung hinterlässt, besser verstehen, gibt es Hoffnung. Ihr Handeln wird dann durch dieses Verständnis gelenkt und es wird eine Politik gemacht, die dem Wohlergehen von Mensch und Tier zu gleichen Teilen dient. 

Lesen Sie mehr über die Arbeit des IFAW zur Beendigung des Wildtierhandels.

Azzedine Downes

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Naturschutz
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
Vizepräsidentin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität
Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
Leiter IFAW Deutschland
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater Strategische Partnerschaften