Faszinierende Forschung: Wie man Delfine und Wale durch Hörtests schützen kann

Wir haben jetzt Daten über den Weißseitendelfin

Haben Sie schon einmal den Geräuschen unter Wasser gelauscht? Beim Tauchen oder Schnorcheln bin ich immer fasziniert davon, was man dort alles hören kann. Manchmal hört man die Geräusche von Fischen (z. B. Umberfischen) oder das Klackern von Krebsen, manchmal das Platschen anderer Schwimmer oder das Brummen eines Schiffsmotors. Ziemlich faszinierend, nicht wahr?

Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie würden dort leben und könnten diese Geräusche niemals abstellen. Das ist dann nicht mehr so faszinierend. Für Wale und Delfine ist es jedoch Realität. Dabei sind nicht die natürlich im Meer auftretenden Geräusche das Problem.

Wale und Delfine sind auf ihr feines Gehör angewiesen, um miteinander zu kommunizieren, sich zu orientieren und um Beute aufzuspüren. Anthropogener, also vom Menschen verursachter Lärm, kann diese wichtigen Prozesse stören. Lärm, von Schiffen, Bauarbeiten, seismischen Tests oder einem Sonar (das kann ein einfacher Tiefenmesser sein, aber auch ein komplexes militärisches Sonar), kann diesen sehr sozialen Tieren die Kommunikation untereinander sehr schwer machen.

Wale kommunizieren unter Wasser über sehr große Entfernungen. Ihre Gesänge können auch noch von Artgenossen gehört werden, die mehrere Kilometer entfernt sind. Leider gilt dasselbe für den Lärm von Schiffen, der  die Laute der Wale verfälschen oder übertönen kann. Ist die Kommunikation der Wale gestört, kann sich dies negativ bei Nahrungssuche und  Fortpflanzung auswirken.

Seismische Tests, Explosionen und andere laute Geräusche können sogar noch gravierendere Folgen haben: Manchmal erleiden die Tiere durch den Lärm ein Trauma oder geraten in Panik. Der Lärm kann auch zu verändertem Tauchverhalten und damit zu körperlichen Beeinträchtigungen führen (ähnlich wie wenn ein Taucher zu schnell nach oben steigt und Dekompressionsschmerzen bekommt). Oder in den Tieren wird ein Fluchtreflex ausgelöst, der sie aus dem vertrauten Lebensraum treibt. Unter Umständen stranden sie dann oder finden nicht mehr ins offene Meer zurück.

Auch wenn es logisch klingt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Lärm der Menschen und dem Verhalten der Meeressäuger besteht, klingt ist es schwierig, dies wissenschaftlich zu belegen. Ein Teil der Arbeit des IFAW Teams zur Rettung und Erforschung von Meeressäugetieren besteht daher darin, die Auswirkungen menschlichen Lärms auf die Meeressäuger zu untersuchen.

Wir haben bei vielen der in Cape Cod an der US-Ostküste der USA gestrandeten Delfine Hörtests durchgeführt, um ihren normalen Hörbereich zu  bestimmen. Als Ergebnis haben wir jetzt Daten über den Weißseitendelfin und auch zum Gemeinen Delfin und zum Grindwal konnten wir Erkenntnisse sammeln.

Das Gehör der Delfine testen wir anhand des auditorisch evozierten Potentials (AEP). Dabei handelt es sich um eine Veränderung der Nervenaktivität, die als Ursache einen kontinuierlichen Reiz in Form eines Schallsignals hat. Mit demselben Verfahren wird das Gehör von Kindern getestet. Im Gegensatz zu Kindern können Delfine jedoch nicht ihre Hand heben, wenn sie einen Laut hören. Stattdessen setzen wir Elektroden ein, um elektrische Signale vom Gehirn zu empfangen und den Bereich zu bestimmen, in dem Tiere bestimmte Frequenzen hören können.

Wir spielen den Tieren einen Laut über ein Kiefertelefon vor (ein auf dem Kiefer platzierter Saugnapf, da die Tiere dort Laute aufnehmen). Mehrere Töne können gleichzeitig in unterschiedlichen Frequenzen abgespielt werden. Wir empfangen dann die Reaktion des Tieres und können so den niedrigsten Schalldruckpegel bestimmen, bei dem das Tier eine bestimmte Frequenz hören kann. Durch die Erhebung dieser Daten hoffen wir, das Gehör von Walen und Delfinen besser zu verstehen und Genaueres darüber zu erfahren, wie sich der von Menschen verursachte Lärm auf sie auswirkt.

Wir hoffen, dass wir mit Hilfe der Untersuchungsergebnisse in Zukunft noch gezieltere Maßnahmen ergreifen können, um die Meeressäuger vor dieser unsichtbaren, aber sehr realen Bedrohung zu schützen.

Katie Moore

Erfahren Sie mehr darüber, was der IFAW für den Schutz von Meeressäugern tut.

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz