Fünf Gründe, warum die Haltung exotischer Tiere verboten werden muss

Beim Seminar des IFAW gegen den illegalen Wildtierhandel in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden Reisende im Rahmen der Kampagne „Think Twice“ aufgefordert, zweimal nachzudenken, bevor sie Wildtier-Souvenirs kaufenWildtiere als Haustiere: das ist im Mittleren Osten und Nordafrika, wie auch andernorts, ein dauerhaftes Thema. Aus Privathaushalten entflohene Wildtiere, die sich in der Nachbarschaft herumtreiben, sorgen regelmäßig für Meldungen in den Medien. Dazu gehören unter anderem auch Löwen, Geparden, Affen, Eichhörnchen, Waschbären, Papageien (Graupapageien, Aras, Kakadus) und Reptilien (Nilkrokodile, griechische Landschildkröten, grüne Leguane, Pythons).

Grundsätzlich gibt es zwei Gründe, warum Menschen Wildtiere als Haustiere halten: Entweder möchte der Besitzer demonstrieren, dass er sich traut und es sich finanziell erlauben kann, ein gefährliches Tier zu halten. Oder aber die Tiere werden Kindern geschenkt, die diese einfach nur als Spielzeug betrachten.

Vor allem im Internet ist es gängige Praxis, dass Wildtiere zum Verkauf angeboten werden. Folgende Anzeige erschien kürzlich in einem Internetforum:

Liebe Forenbesucher,

heute biete ich Ihnen einen gesunden Löwen zum Kauf an. Er ist erst ein Jahr und zwei Monate alt, sehr häuslich und kinderlieb. Dem Löwen sind die Krallen operativ entfernt worden. Preis: Verhandlungssache. Bitte nur ernst gemeinte Anfragen. Danke.

Genau dies ist die Art von Schwarzmarkt, gegen die der IFAW speziell im Mittleren Osten und in Nordamerika (aber auch weltweit) angeht. Im Internet, besonders in Foren, kann fast alles verkauft werden –eben auch Wildtiere.

Neben der Gefahr, die von einigen wilden Tieren ausgeht, gibt es weitere wesentliche Gründe, warum die Haltung exotischer Tiere verboten werden muss, allen voran der Tierschutzgedanke.

1. Tierschutz

Tierschutzaspekte werden vollkommen außer Acht gelassen: Die Tiere werden gefangen und ihrem natürlichen Lebensraum entrissen – oft mit schmerzhaften Methoden. Danach werden sie stunden- oder sogar tagelang – häufig in ungeeigneten Behältnissen – transportiert, um schließlich in Käfigen in Tierhandlungen ausgestellt zu werden und bei Besitzern zu enden, die „just for fun“ ein fremdartiges Tier halten wollen.

Auch wenn die Tiere den Transport überleben, haben sie keine Chance, einen natürlichen Lebensraum vorzufinden. Zudem sind die neuen Besitzer nicht selten schnell von dem neuen „Spielzeug“ gelangweilt, vor allem wenn es sich um Kinder handelt. Dann wird das Tier vernachlässigt, erhält kein frisches Futter und kein Wasser mehr und stirbt langsam einen grausamen Tod.   

2. Artensterben

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, dass ein übermäßiges Fangen von Tieren aus freier Wildbahn das Überleben einiger Arten gefährdet. Hierunter fallen viele Vogelarten, Säugetiere, Reptilien und sogar Amphibien.                          

3. Gefahren durch unvorhersehbares Verhalten

Wildtiere bleiben immer wilde Tiere. Selbst wenn sie in Gefangenschaft geboren und gezähmt werden, kann man Wildtiere nicht in Haustiere verwandeln. Niemand kann ihr Verhalten voraussagen. Sollten diese Tiere einmal Angst, Hunger, Schmerzen oder sonstigen Stressfaktoren ausgesetzt sein, können sie aggressiv werden und angreifen.

4. Krankheitsrisiken

Diese stark vom Aussterben bedrohten Strahlenschildkröten und die Madagassische Schnabelbrustschildkröten wurden illegal gefangen. Sie sollten auf Märkten in China verkauft werden. Zollbeamte am Kuala Lumpur International Airport in Malaysia entdeckten die Schildkröten, die für mehrere tausend Dollar als exotische Haustiere verkauft werden sollten. Glücklicherweise konnten sie in diesem Fall in ihre Heimat Madagaskar zurückgebracht werdenEs gibt Hunderte von Krankheiten, die von Wildtieren auf den Menschen übertragen werden können und umgekehrt. Dies gilt insbesondere für Primaten, die dem Menschen physisch sehr ähnlich sind. Eine der Überlebensstrategien von Kleinlebewesen ist, sich in einem Wirtstier wie dem Affen einzunisten, um dann auf andere Wirte, wie zum Beispiel den Menschen, überzugehen.

Zudem können Fledermäuse, Affen, Waschbären, Füchse, Stinktiere, Wölfe, Kojoten und Mungos Tollwut übertragen. Reptilien können Salmonellen übertragen und Vögel die Vogelgrippe. Das bedeutet, dass Wildtiere, auch wenn sie gesund sind, durchaus eine Bedrohung für die Gesundheit ihrer menschlichen Besitzer darstellen.  

5. Bedrohung für die einheimische Artenvielfalt durch entflohene Tiere

Viele Arten, die als exotische Haustiere importiert werden und aus ihrem neuen Zuhause entfliehen, bedrohen die einheimische Artenvielfalt. Die Beispiele reichen von Burmesischen Pythons bis zu Sittichen. Die Auswirkungen durch diese gebietsfremden, invasiven Arten reichen von negativen Effekten auf das Ökosystem bis hin zur völligen Ausrottung einheimischer Arten.

Der IFAW plant, mit verschiedenen Regierungsbehörden in der Region Mittlerer Osten/Nordafrika zusammenzuarbeiten, um den Internethandel mit exotischen Tieren zu unterbinden.

Gleichzeitig wollen wir die Menschen darüber aufklären, welche negativen Folgen die Haltung von exotischen Tieren hat.

Dr. Elsayed Ahmed Mohamed

Erfahren Sie mehr über unsere Arbeit gegen den illegalen Wildtierhandel.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
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Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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