Europäisches Parlament setzt sich für den Schutz der Meeresbewohner vor Unterwasserlärm ein

Anfang Oktober 2013 beschloss das Europäische Parlament bei der Erforschung von Öl- und Gasvorkommen mit Sonargeräten eine Umweltverträglichkeitsprüfung zur Voraussetzung zu machen. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Reduzierung von Unterwasserlärm.

Im Jahr 2008 strandeten im Nordwesten Madagaskars ungefähr 100 Melonenkopf-Wale. Der IFAW kam mit einem Expertenteam, um sich um die medizinische Versorgung noch lebender Tiere zu kümmern und wissenschaftliche Daten zu sammeln. In einem Bericht vom 25. September 2013 erklärte ein unabhängiges Team von Wissenschaftlern, dass die Strandungen der Wale vor allem durch den Lärm eines von ExxonMobil eingesetzten Sonargerätes verursacht wurdenBereits im Jahr 2008 nach einer Massenstrandung auf Madagaskar bat die Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten  (NOAA) den IFAW um Hilfe bei der Versorgung von Melonenkopf-Walen. Nachfolgend wurde auf Anfrage der madagassischen Regierung eine unabhängige Untersuchung durchgeführt, um die Gründe für diese Strandungen zu klären. Ergebnis dieser Untersuchung war, dass Unterwasserlärm im Zusammenhang mit Erdölsuche der Auslöser gewesen war. Dies war das erste Mal, dass eine Verbindung von Walstrandungen mit industriell erzeugtem Lärm festgestellt werden konnte.

Die Angelegenheit erregte auch die Aufmerksamkeit einiger Mitglieder des Europäischen Parlaments, die ohnehin gerade eine Revision der Richtlinien zur Umweltverträglichkeitsprüfung vorbereiteten. Nach einiger Überzeugungsarbeit stimmte das Europäische Parlament dafür, „die Erforschung und den Abbau von Mineralien“ auf die Liste der Aktivitäten zu setzen, die einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen sind. Dies war ein entscheidender Schritt im Kampf gegen Unterwasserlärm und seinen schädlichen Einfluss auf die Wale. Es ist außerdem ein ausgezeichnetes Beispiel für die Herangehensweise des IFAW: der Schutz einzelner Exemplare, einer ganzen Population sowie ihres Lebensraumes bieten zusammengenommen den bestmöglichen Schutz für die Tiere, in diesem Falle für die Wale. Es ist deshalb ein glücklicher Zufall, dass alle Bemühungen zur selben Zeit erfolgen – und somit den besten Effekt haben konnten.

Natürlich ist es ein wichtiger Schritt, das Europäische Parlament zu einem „ja“ für die Umweltverträglichkeitsprüfung bewegt zu haben. Aber es gibt noch einiges zu tun. In Europa wird der IFAW daran arbeiten, dass die europäischen Mitgliedsstaaten die Änderungen durch das Europäische Parlament unterstützen. Unser Kampf gegen die sehr starke Lobby der Ölindustrie ist nicht einfach. Aber unsere Bemühungen werden durch das Gutachten des unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchungsgremiums  (ISRP) gestützt.

Außerdem setzt sich der IFAW dafür ein, dass die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung auch in den Lebensräumen der Wale um Australien, bei der Insel Sachalin (Russland), an den US-amerikanischen Küsten des Atlantik und Pazifik, in europäischen Gewässern und im mittleren Osten berücksichtigt werden.

Danke an alle, die unsere leise aber wichtige Arbeit gegen Unterwasserlärm unterstützen. Weitere Erfolge werden folgen!

Barbara Slee

Erfahren Sie mehr über unsere Arbeit zum Schutz von Meeressäugern.

Post a comment

Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
Regionaldirektorin Ozeanien
IFAW Japan Representative
Repräsentantin IFAW Japan
Patrick Ramage, Programmdirektor Wale
Programmdirektor Wale