EU erkennt Gefahren für Meeressäuger durch seismische Exploration an

Grauwal vor Bohrinsel.
Donnerstag, 13 Februar, 2014
Hamburg

Gestern Abend hat der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments entschieden, dass Unterwasserlärm bei Ölexplorationen Teil der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) werden soll.

„Die nun überarbeitete Version der Umweltverträglichkeits-Direktive ist lange nicht perfekt, enthält aber nun zumindest einen Punkt, der für den Meeresschutz sehr wichtig ist“, kommentiert Barbara Slee, EU-Meerescampaignerin des IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds). „Bisher wird eine UVP nur bei Bohrungen in den Meeresboden verlangt. Mit den nun auf den Weg gebrachten Veränderungen wird auch die Explorationsphase einbezogen, die für Meerestiere und besonders Meeressäuger sehr schädlich sein kann.“

„Die Öl- und Gasindustrie sollte sich den Sorgen der Umweltverbände, Politiker und der Öffentlichkeit gegenüber nicht taub stellen. Sie müssen ihre tödliche Lärmbelastung dringend reduzieren und zwar sofort“, so Slee weiter.

Forschungen des IFAW und anderer haben eine Verbindung zwischen Unterwasser-Lärm und Massenstrandungen von Meeressäugern belegt. Das sehr intensive Stampfen der Luftkanonen ist oft so laut, dass es die Rufe von Walen über Tausende von Kilometern überdeckt und damit ihre Fähigkeit zu kommunizieren und sich zu paaren zerstört. Solcher Lärm kann dazu führen, dass Wale ihre Lebensräume verlassen und aufhören zu fressen. Schall wandert im Wasser fünf mal schneller und weiter als in der Luft. Ein Grund warum Wale, Delfin und viele Fischarten von ihren Hörorganen für ihre Fortpflanzung und ihr Überleben abhängen.

„Diese Entscheidung ist längst überfällig und einfach unumgänglich. In Bezug auf angemessene Verträglichkeitsprüfungen, transparente Konsultationsprozesse und Regeln für die Ölindustrie hinkt Europa hinterher“, kommentiert Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare.

„Der Gebrauch von Luftkanonen bedeutet die Emissionen von intensivem Lärm alle paar Sekunden über viele Wochen sogar Monate“, sagt MEP Kriton Arsenis. „Wir Menschen könnten solchen Lärm nicht ertragen. Die Auswirkungen auf Meerestiere, die auf ihr Gehör angewiesen sind, sind wahrscheinlich viel katastrophaler.“

„Die Entscheidung erkennt endlich die ungeheuerliche Störung an, die seismische Explorationen auf die Meeresumwelt haben“, erklärt Michael Jasny, Direktor des NRDC Meeressäuger-Programms. „Das Votum des Ausschusses war längst überfällig. Nun muss das gesamte Parlament seinem Beispiel folgen und für die Direktive stimmen.“

Voraussichtlich am 11. März wird das Europaparlament über die vom Umweltausschuss verabschiedete Direktive abstimmen. Meist folgt das Parlament der Empfehlung der Fachausschüsse.

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