Eine Geburt, ein Todesfall und das Vergnügen, ein Elefantenjunges in Amboseli zu sein

Der Kratzbaum für unterwegs – wie man im Video sieht, steht Mamas Bein fast immer zur Verfügung und hat genau die richtige Größe für so einen kleinen Elefanten.

Die Geburt eines Elefanten im Amboseli-Nationalpark ist ein seltener Anblick. Unser Rekordhalter hat innerhalb von 30 Jahren nur fünf Mal miterlebt, wie ein junger Elefant zur Welt kam. Ich selbst habe Babys gesehen, die wenige Minuten alt waren, aber eine Geburt habe ich nie beobachten dürfen.

Ich war gerade aus Nairobi zurück, als mich meine Kollegin Katito anrief. Sie bat mich, eine Meldung zu überprüfen, da angeblich eine Elefantenkuh in den Wehen liege.

Also schnappte ich mir Kamera, Fernglas, Notizblock, Stifte und sprang in meinen Jeep. Ich fuhr so schnell, wie das Tempolimit innerhalb des Parks und die Qualität der Wege es zuließen.

Dann kam die SMS: Kalb ist geboren, wir haben die Plazenta gesehen. Ein einmaliges Erlebnis für die anwesenden Touristen. Nur leider hatte ich es verpasst.

Aber sofort begann ich auch, mir Sorgen zu machen, denn es hat einen Grund, warum Geburten nur selten beobachtet werden – normalerweise finden sie nachts im Schutz der Dunkelheit statt. Eine Geburt bei Tage bedeutet häufig, dass irgendetwas schief läuft. Ich hoffte daher, dass das Kalb gesund war.

Meine Bedenken stellten sich als unbegründet heraus. Als ich eintraf, war das kleine Elefantenbaby schon auf seinen vier Beinen. Für ein Neugeborenes war die Kleine sehr groß. Ich kannte auch ihre Mutter. Sie war die Anführerin der IA/IC-Familie. Ihr Name „Three Holes“, der übersetzt "Drei Löcher" bedeutet, ist ungewöhnlich und hat eine Vorgeschichte. Sie ist eine Vagabundin, die ihre gesamte Familie verloren haben muss. Dr. Cynthia Moss, die versucht hatte, mehr über die Herkunft der Elefantendame herauszufinden, hatte ihr vorübergehend den Namen Three Holes Right gegeben. Und dabei war es geblieben.

Von 1977 bis 1980 (kein Druckfehler, wir beobachten die Elefanten hier tatsächlich schon so lange) lebte sich Three Holes bei der IA-Familie ein und stieg schließlich zur Leitkuh auf. (Wenn Sie die vollständige Historie der IA/IC-Familie interessiert, finden Sie alle Infos zu den Familiengeschichten auf der Webseite des Amboseli Trust for Elephants.)

Die Geschichte von Three Holes ist beispielhaft dafür, wie flexibel Elefanten beim Bilden sozialer Gruppen sein können, selbst wenn die Gruppen nicht aus echten Familienangehörigen bestehen. Three Holes ist ein großartiges Elefantenweibchen und ich war sehr froh zu sehen, dass sie eine Tochter zur Welt gebracht hatte, in der die Gene der mutigen Anführerin hoffentlich fortleben werden.

Ich sah, wie Three Holes ihr Kleines sanft vom Ort der Geburt wegführte. Die Mütter wollen die Neugeborenen möglichst schnell aus der Gefahrenzone bringen, denn das Blut und die mit der Geburt einhergehenden Flüssigkeiten locken Räuber an. Der Geburtsvorgang hatte Three Holes bestimmt erschöpft, aber sie konzentrierte sich ganz auf die Kleine, berührte sie ständig, beruhigte sie und führte sie. Als sich Three Holes schließlich auf den Weg zu ihrer Familie machte, ging die Sonne gerade unter. Ich machte einige Fotos und schaltete den Apparat dann auf Kameramodus, um die tapsigen ersten Schritte zu filmen und die Entwicklung der liebevollen Mutter-Kind-Bindung festzuhalten, die ein Leben lang anhält.

Dann war leider der Akku der Kamera leer. Also sah ich einfach nur zu. Die Touristenfahrzeuge waren inzwischen wieder verschwunden. Ich war allein mit den Elefanten und durfte am Beginn eines neuen Elefantenlebens teilhaben. Es war ein ganz besonderer Moment.

Erste Schritte: Three Holes und ihr Junges, das seine ersten tapsigen Schritte macht. Der Schatten stammt von Three Holes' ältester Tochter Ipomea. Sie bewacht ihre Mutter und ihre kleine Schwester, während die Sonne golden über dem Amboseli-Park versinkt.

Als ich wieder im Camp war, schaute ich mir die Bilder an, die ich gemacht hatte. Mein Lieblingsbild ist oben zu sehen und zeigt den Schatten von Ipomea, der ältesten Tochter von Three Holes. Als Beschützerin bleibt sie in der Nähe ihrer Mutter und der kleinen Schwester.

In der Wildbahn ändern sich die Dinge manchmal schnell. Am nächsten Morgen meldete einer unserer Scouts, dass er den Leichnam eines Elefanten gefunden hatte. Die Informationen waren bruchstückhaft, zudem war die Verbindung schlecht und wurde immer wieder unterbrochen. Katito und ich sprangen in den Wagen und fuhren los.

Ein Elefantenbegräbnis. Im Video sieht man, wie Elefanten den Leichnam eines jungen Bullen (vorne) bewachen, ihn berühren und an ihm riechen.

Ich hatte erwartet, dass es mich mitnehmen würde, aber mit einem Begräbnis hatte ich nicht gerechnet. Als wir eintrafen, bewachten sieben Elefanten den Leichnam. Wir wollten die Elefanten nicht stören und warteten auf die Wildhüter vom Kenya Wildlife Service (KWS).

Die Elefanten waren sehr still und ruhig. Ich erlebte zum ersten Mal, wie Elefanten mit einem toten Artgenossen umgehen. Sie standen ganz ruhig. Nach einer Weile bewegte sich der älteste Bulle fort und die anderen folgten ihm langsam. Ein anderes junges Männchen schnupperte an dem Leichnam und berührte ihn sanft. Als die Wildhüter eintrafen, zogen die Elefanten ruhig ab und wir näherten uns dem toten Tier.

Der Gestank eines drei Tage alten Elefantenkadavers ist unvergleichlich. Wenn es für mich mit meiner schwachen Menschennase schon sehr übel roch, wie muss es dann für die Elefanten gewesen sein? Bei dem toten Tier handelte es sich um einen jungen Bullen, vielleicht 23 oder 24 Jahre alt. Seine Stoßzähne waren intakt. Wir überprüften seine Ohren auf markante Kennzeichen, aber im Liegen sehen Elefanten völlig anders aus, sodass wir ihn nicht identifizieren konnten.

Auf Anhieb waren keine Wunden zu erkennen, die als Todesursache in Frage kamen. Vielleicht hatte ihn eine Schlange gebissen oder er war krank. Die Wildhüter vom Kenya Wildlife Service bargen die Stoßzähne und halfen uns beim Fotografieren und Vermessen des Tiers. Als wir damit fertig waren und ihn allein ließen fühlte ich mich schlecht, denn wir wussten nicht, wer er war. Aber offensichtlich hatten die Elefanten es gewusst und der Gedanke tröstete mich ein wenig.

Am nächsten Tag sah die Welt schon wieder anders aus. Ich war bei einer anderen Elefantenfamilie und filmte das zweijährige Elefantenbaby mit dem Namen Goodness. Sie hatte ein Schlammbad genommen und jetzt juckte es sie furchtbar. Doch Mamas Bein ist ein hervorragender Kratzbaum (siehe Video oben). Ich musste lachen, während ich sie filmte. Und wieder einmal wurde mir bewusst, dass es die Emotionen sind, die Elefanten für uns so besonders machen: Elefanten bringen uns zum Lachen und sie bringen uns zum Weinen – ob aus Freude oder aus Trauer um sie.

Vicki Fishlock

Erfahren Sie mehr darüber, wie sich der IFAW für den Schutz der Elefanten einsetzt.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
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Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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