Die Robbenjagd 2013 - ein voller Erfolg?

Die Mehrheit der Kanadier möchte, dass der kommerziellen Robbenjagd ein Ende gesetzt wird.Laut Medienberichten ist heute der letzte Tag der Robbenjagd 2013. Carino Ltd., das einzige noch verbleibende Unternehmen, das Robbenfelle verarbeitet, kauft Robbenjägern ab morgen keine Felle mehr ab und beendet damit auch die diesjährige Jagdsaison.

In Branchenkreisen wurde im Zusammenhang mit der Jagd 2013 häufig das Wort "Erfolg" verwendet. Es kommt aber darauf an, was man unter "Erfolg" versteht... Auch wenn noch keine endgültigen Zahlen vorliegen, wollen wir uns einmal ansehen, welche "Erfolge" die Robbenjagd den Kanadiern 2013 beschert hat:

Etwa 89.000 Robben wurden bisher getötet, bei einem durchschnittlichen Preis von 32 kanadischen Dollar pro Fell.

Der Gesamtumsatz der Jagd beläuft sich auf etwa 2,9 Mio. kanadische Dollar. Auf der anderen Seite der Gleichung steht der norwegische Robbenfellverarbeiter und Monopolist Carino Ltd., der im zweiten Jahr in Folge von einem Kredit über 3,6 Mio. kanadische Dollar profitiert - finanziert aus Steuergeldern. Es drängt sich die Frage auf, warum ausgerechnet dieses Unternehmen staatliche Zuwendungen erhält und andere fischverarbeitende Unternehmen in Neufundland mit wesentlich mehr Angestellten ihre Türen schließen müssen.

Auch wenn die Robbenindustrie es als Erfolg verbucht, dass in diesem Jahr noch mehr Robben als sonst getötet wurden, ist von einer höheren Nachfrage für Robbenprodukte immer noch nichts zu spüren. Es gibt auch keine Anzeichen, dass die Millionenbeträge, die die kanadische Regierung derzeit in ihre Anfechtung des EU-Handelsverbots für Robbenprodukte steckt, sich je auszahlen werden.

Aus Meinungsumfragen geht immer wieder hervor, dass die Mehrheit der Kanadier die kommerzielle Robbenjagd ablehnt und trotz jahrzehntelanger Unterstützung, sowohl von Seiten der Provinzen als auch von der kanadischen Bundesregierung (über 34 Millionen seit 1995), die Nachfrage nach Robbenprodukten nicht größer wird, sondern sinkt.

Es zeigt sich immer deutlicher, dass es bei der Massenschlachtung von Robben in Kanada nicht um Arbeitsplätze oder Märkte geht, sondern um Wählerstimmen.

Alle politischen Parteien - mit Ausnahme der kanadischen Grünen - unterstützen weiterhin blind die Robbenjagd. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Robbenfang finanziell rechnet oder die eigenen Abgeordneten, Parteimitglieder und Wähler das Geschäft mit den Robben befürworten. Der traurige Irrglaube, man könne mit der Robbenjagd Wählerstimmen gewinnen, hält sich offenbar wacker unter Politikern.

Vor kurzem nutzte eine politische Partei in einer Robbenjagdregion jede Gelegenheit, um zu betonen, dass ihr Kandidat die Jagd unterstützt. Dennoch gewann die Opposition die Wahl. Es sieht also ganz danach aus, als ob die Unterstützung der Robbenjagd nicht mehr der Stimmengarant ist, die sie früher war. Heute ist die Robbenjagd ein Synonym für die Verschwendung von Steuergeldern zugunsten eines einzigen Unternehmens, das sich in den Händen ausländischer Investoren befindet.

Endlich scheint in Kanada ein Umdenken hin zu einer verantwortungsvollen Haushaltspolitikpolitik stattzufinden. Schaut man sich einmal die Zahlen an, wird klar, dass die kommerzielle Robbenjagd, ökonomisch gesehen, nicht rentabel ist. Obwohl der norwegische Fellverarbeiter Carino Ltd. ganz sicher "erfolgreich" darin war, von den kanadischen Steuerzahlern erneut 3,6 Mio. Dollar zu kassieren, bezweifle ich, dass auch die Kanadier das Wort "erfolgreich" benutzen würden, um eine Jagd zu beschreiben, die in Wahrheit eine staatlich finanzierte Massenschlachtung von Wildtieren ist.

Am Ende steht die Gewinnung von Produkten, die an den meisten Orten der Welt weder gewollt noch gebraucht werden.

Jetzt, wo eine weitere Jagdsaison zu Ende geht und viele kritische Fragen zur Regierungsverantwortung aufgeworfen wurden, kann man nur hoffen, dass kanadische Politiker beginnen werden, zu überdenken, ob die kommerzielle Robbenjagd weiterhin Nutznießerin staatlicher Zuwendungen bleiben soll.

Denn wenn die Branche wirklich so "erfolgreich" sein sollte, wie sie immer behauptet, wäre es dann nicht an der Zeit, die Subventionen einzustellen und sie ihrem Erfolg - oder ihrem Niedergang - zu überlassen?

Sheryl Fink

Erfahren Sie mehr darüber, was der IFAW tut, um die kommerzielle Robbenjagd in Kanada zu beenden.

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Experten

Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Robbie Marsland, Regionaldirektor Großbritannien
Regionaldirektor Großbritannien
Sheryl Fink, Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
Sonja Van Tichelen, Regionaldirektorin Europäische Union
Regionaldirektorin Europäische Union