Der IFAW unterstützt eine chilenische Gemeinde erfolgreich beim Umgang mit streunenden Hunden

Streunende Hunde sind ein typisches Bild in Puerto NatalesIn Puerto Natales sieht man an wirklich jeder Ecke einen Hund... oder fünf. Die Hunde sind überall. Und besonders in einer Touristenstadt wie Puerto Natales fällt man ihnen ebenso schnell auf, wie umgekehrt. Sie erkennen Touristen schon von weitem. Und prompt hat man ein Rudel Hunde im Schlepptau.

Viele von ihnen sehen gesund und wohlgenährt aus – ein Zeichen dafür, dass irgendwo jemand für sie sorgt. Einige haben jedoch stellenweise kein Fell mehr. Und einige humpeln, wahrscheinlich die Folge eines Autounfalls.

Da sind also zum einen die ganz offensichtlichen Probleme, die Puerto Natales mit seinen Hunden hat: kranke und verletzte Tiere, die medizinisch versorgt werden müssen, und Tiere, die kläffen und die Straßen verschmutzen. Es gibt aber auch noch weitaus ernstere Probleme, zu denen es in der Bevölkerung kontroverse Standpunkte gibt. Jedes Jahr reißen diese Hunde beispielsweise eine erhebliche Anzahl Schafe. Und dann ist da auch noch der Hundebandwurm, den sich die Hunde bei den Schafen holen, und der, wenn er auf Menschen übertragen wird, die Infektionskrankheit Echinokokkose auslöst.

Weil das Problem mit den streunenden Hunden den Bewohnern von Puerto Natales zunehmend Sorgen bereitet, begab ich mich letzte Woche gemeinsam mit der Leiterin des IFAW Haustierprogramms Kate Atema und dem Projektkoordinator für Mexiko Joaquin de la Torre in die chilenische Stadt. Gemeinsam mit der Organisation „Veterinarians Without Borders Canada“ (VWB) wollen wir dafür sorgen, dass Hunde und Menschen künftig in Frieden und ohne Gesundheitsrisiko zusammenleben können.

Der IFAW Workshop bietet Stadtbewohnern den Raum, ihren Sorgen und Nöten auf konstruktive Weise Luft zu machen

Vergangene Woche nahmen wir dann die Arbeit in Puerto Natales auf. Im Rahmen eines Workshops wurden zunächst verschiedene Interessengruppen aus derselben Gemeinde an einen Tisch gebracht. Oft ist dies das erste Mal, dass die verschiedenen Seiten zusammentreffen, um sich darüber zu verständigen, was eigentlich genau das Problem mit den Hunden in ihrer Stadt ist.

In Puerto Natales nahmen Vertreter der Lokalregierung, der Behörde für Gesundheit und Landwirtschaft, soziale Organisationen, Tierschutzvereine, lokale Tierärzte und Hundebesitzer an dem Workshop teil. Wenn Menschen mit sehr unterschiedlichen Interessenlagen zusammentreffen, um solch kontroverse und emotionsbesetzte Themen zu diskutieren, kann der Ton am Anfang schon mal etwas rauer werden.

Eine Teilnehmerin etwa machte ihren Emotionen zunächst einmal mit einer langen Tirade über das enttäuschende und unverantwortliche Verhalten einer anderen Interessengruppe Luft. Sie untermalte dies mit der Geschichte ihres Mannes, der von einem Hund gebissen worden war. Andere Teilnehmer wiederum wirkten eher abwesend und schienen sich von der Zusammenkunft nicht viel zu versprechen.

Doch genau für Gemeinden mit verhärteten Fronten ist der IFAW Workshop konzipiert. Ziel ist es, die gegnerischen Parteien an einen Tisch zu bringen, sie beim Umgang mit emotionsbesetzten und kontroversen Themen zu unterstützen und sie letztendlich zu einem gemeinsamen Konsens zu führen.

Mit großem Stolz können wir sagen, dass unser Workshop in Puerto Natales ein voller Erfolg war. Zwei Tage lang nahmen Stadtbewohner an einer Reihe von Aktivitäten teil: sie erörterten die Probleme zwischen Menschen und Hunden, den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Wohlbefinden von Mensch und Tier und die Wirkung bereits ergriffener Maßnahmen.

Workshopleiter diskutieren mit den Teilnehmern

Der  Erfolg dieses Projektes zeigt, wie wichtig es ist, die Gemeinden in die Projektarbeit einzubeziehen und dass die Menschen in Puerto Natales fest entschlossen sind, ihre Probleme zu lösen.

Die Gruppe hat das nötige Fachwissen, die Führungskompetenz und die finanziellen Mittel, um eine Lösung für das Hundeproblem zu finden. In den nächsten paar Monaten wird sie Informationen sammeln. Dann werden IFAW und VWB wiederkommen, um die Entwicklung eines tierfreundlichen und nachhaltigen Plans für den Umgang mit den Hunden zu unterstützen.  

Die erfolgreiche Umsetzung dieses Projekts bedeutet für die Straßenhunde von Puerto Natales eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebenssituation. Und für die Gemeinde bedeutet dies: gesunde und glückliche Tiere an der Seite von gesunden und glücklichen Menschen.  

Hanna Lentz

Erfahren Sie mehr darüber, was der IFAW tut, um Gemeinden beim Umgang mit ihren Tieren zu unterstützen.

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe