Blick nach Indonesien: Alltägliche Tierrettung in Bali

Dieses verletzte Kätzchen hat es nicht geschafft.Janice Girardi, Gründerin und Leiterin der Bali Animal Welfare Association (BAWA), schafft es vor 10 Uhr nie ins Büro.

Wenn wir vielleicht gerade unser Müsli in die Schüssel kippen, an unserem Kaffee nippen, verschlafen durch ein Klatsch-Magazin blättern oder uns noch mal im Bett umdrehen, befindet sich auch Janice bei ihrer täglichen Morgenroutine – sie fährt durch die Straßen von Bali und verpflegt Hunde und Katzen.

Mit einer Ladung Boxen, die mit selbst gemischtem Futter aus Reis, Hühnchen, Ei, Kürbis und anderen Gemüsesorten (die Standard-Futtermischung für Hunde in der Obhut der BAWA) gefüllt sind, nimmt sie eine der zahlreichen Routen auf, die in den Morgenstunden regelmäßig abgefahren werden.

Hunde scharen sich sogleich um ihr Auto, um sich die wahrscheinlich einzige vernünftige Mahlzeit des Tages abzuholen. Währenddessen hält Janice nach Hunden Ausschau, die möglicherweise medizinische Versorgung benötigen. Sie macht auch einen Zwischenstopp bei der örtlichen Mülldeponie, wo sie häufig ausgesetzte Welpen und auch immer mal wieder ein Kätzchen findet. Sie spricht mit Anwohnern über Tierhaltung und greift ein, wann immer sie ein Tier entdeckt, das sofort Hilfe braucht.

Sie achtet auf Tiere. Sie hält für sie an. Und dann hilft sie ihnen.

Der vergangene Dienstag war für Janice ein Tag wie jeder andere. Janice erreichte das BAWA-Büro mit vier acht Wochen alten Welpen und einem winzigen grauen Kätzchen, das noch so jung war, dass es die Augen geschlossen hatte. Alle kamen sie von der Mülldeponie – ein beliebter Ort, um ungewollte Tiere auszusetzen, den Janice recht oft besucht, da es „entsorgte“ Tiere in den Straßen Balis nicht gerade leicht haben.

Schnell werden sie nämlich Opfer von Parasiten, Krankheiten oder Hunger. Zahllose Tiere landen jeden Monat in der BAWA-Klinik. Viele von ihnen haben fast kein Fell mehr und zeigen ihre graue, schorfige Haut.

Glücklicherweise schienen die Welpen, die Janice am Dienstag mitbrachte, nicht sehr lange allein gewesen zu sein. Sie hatten zwar alle aufgeblähte Bäuche und ein paar kahle Stellen von einer Hautflechte, im Großen und Ganzen waren sie aber wohlauf. Das Kätzchen hatte leider nicht so viel Glück gehabt.

Als Janice im BAWA-Büro ankam, bat sie sofort IFAW-Tierärztin Dr. Kati Loeffler zum Auto hinunter, damit sie sich das Kätzchen ansehen konnte.

Gesicht und Rücken des Kätzchens sahen zwar normal aus, durch sanftes Umdrehen kamen jedoch ein paar große, offene Wunden voller Maden zum Vorschein. „Sie muss sofort in die BAWA-Klinik,“ war Dr. Loefflers Ansage, „und sie braucht eine Infusion“. Doch trotz Expertendiagnose und schneller Abhilfe sah es nicht gut aus. Bald nach seiner Ankunft starb das Kätzchen.

Solch eine Morgenroutine wäre womöglich für jeden Menschen eine Herausforderung, aber umso faszinierender ist es immer wieder, dass man Janice nach ihrer allmorgendlichen Runde nicht im Geringsten anmerkt, womit sie kurz zuvor noch beschäftigt war.

Sie macht sich immer sofort an die Arbeit und man sieht ihr überhaupt nicht an, dass sie den Morgen damit verbracht hat, die Mülldeponie nach ausgesetzten Welpen und Katzen zu durchforsten und sich im wahrsten Sinne des Wortes durch den Müll zu wühlen, um die Tiere zu retten. Man sieht ihr nicht an, dass sie gerade an einige Hunde Reis verfüttert hat oder dass sie andere gerettet hat, die mit heißem Öl verbrüht worden waren.

Man sieht Janice nicht an, dass sie telefonisch Unterkünfte für 19 Hunde organisiert hat, deren Herrchen verstorben ist, oder dass sie einen jungen Affen befreit hat, der in einem Gehege ohne Futter, Wasser oder Schatten gehalten wurde; dass sie einer Frau erklärt hat, wie sie ihren Hund richtig füttert, oder dass sie eine Familie davon überzeugt hat, eine harmlose grüne Schlange, die in ihr Haus gekrochen war, nicht einfach totzuschlagen.

All das kann man lediglich in Erfahrung bringen, indem man es errät oder es erfragt, denn üblicherweise lässt sich Janice nicht erst lang und breit über ihren Morgen aus, wenn sie ins Büro kommt.

Für sie ist es nämlich bloß ein Tag wie jeder andere …

-- HL

Kommentare: 3

 
Gast
2 Jahre ago

Ich war letztes Jahr selbst als Volunteer bei BAWA tätig und bin immer noch beeindruckt von deren Arbeit. Einfach wundervoll was Janice dort für die Hunde und Katzen von Bali tut! Natürlich sterben auch immer noch viele. Gerade das Tollwut Problem ist auf Bali rießig und viele Balineser haben Angst vor Hunden bzw. das Hunde Tollwut haben und sie anstecken. Janice und ihr Team haben dort sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet! Und durch die kostenlosen Impfungen sehr viel erreicht. Für mich war es die wundervollste Zeit meines Lebens dort. Die Tiere geben einem so viel zurück, das ist wirklich der Wahnsinn!

 
Gast
2 Jahre ago

Ich denke, am muss die Menschen viel mehr aufklären, wie man human mit Tieren umgeht. Es liegt in der Verantwortung der Menschen, die Tiere in ihrer Umgebung zu beobachten und nötigenfalls zu versorgen. Ich denke, in der sog. 3. Welt müssen die Menschen noch sehr stark aufgeklärt werden, es fehlt am Bewusstsein und an Informationen. Ich denke TV- und Radiospots, bzw Flugblätter könnten die Menschen anregen und vielen Tieren helfen!
Schlechte Umgang mit Tieren hat in vielen Ländern leider eine lange Tradition!

 
Gast
2 Jahre ago

Hallo,

mein Partner und ich waren selbst im November 2011 auf Bali in Sanur und haben selbst gesehen, wie viele Hunde und Katzen es dort gibt, für die sich keiner verantwortlich fühlt. Es scheint, als on Tierschutz für die Balinesen ein Fremdwort ist. Sehr schade. Bei uns im Hotel kam jeden Tag eine Katze, die sich von den Opferschälchen angeblich ernährte. Sie hatte ein klien Wunde am Hals und schien trächtig zu sein. Egla wo man hinsah, liefen Hunde und Katzen frei rum. Zum Glück tut Bali jetzt zumindest etwas gegen die Tollwut. Wir haben es trotzdem vermieden Hunde anzufassen und hatten auch großen Respekt vor bellenden Hunden...wir gingen lieber dann etwas schneller. In Lovina sahen wir viele Hunde am Strand rumlaufen und tranken Meerwasser. In Sanur haben wir am straßenrand, wo der Müll einfach so entsorgt wird ganz kleine Kätzchen gesehen und etwas zappelte in einer Tüte...ich traute mich nicht, diese Tüte anzufassen um nach zusehen aus Angst, was ich da wohl entdecke....Hut ab. Ich finde eure Arbeit toll

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