Artenschutz in der Praxis: 90 Prozent der Verstöße bleiben unbemerkt

Unser Praktikant Arne Loth sprach mit Experten über den Artenschutz und die Schwierigkeiten, ihn in die Praxis umzusetzen.

Die Bewahrung der Artenvielfalt ist ein hohes Gut. Soviel ist gesellschaftlicher Konsens. Zu diesem Zweck gibt es internationale Artenschutzabkommen und nationale Gesetzgebungen, die stark gefährdete Arten unter besonderen Schutz stellen und versuchen, den internationalen Handel mit ihnen zu unterbinden. Die Betonung liegt hier auf dem Wort „versuchen“, denn in der Praxis gibt es leider noch viel zu viele Hürden, die einer effektiven Umsetzung der Gesetze im Weg stehen. Zu dieser traurigen Erkenntnis führte ein Gespräch, das ich vor kurzem mit Artenschutzexperten der Universität Hamburg führte.

Da ist zum einen das Problem der Identifizierung. So ist es selbst für Experten auf dem Gebiet äußerst schwierig, genau festzustellen, aus welcher Tierart ein Produkt hergestellt wurde. Umso mehr gilt dies für Zollbeamte, die in Sachen Artenschutz in der Regel nicht ausreichend ausgebildet werden und unmöglich ganz genau bestimmen können, welche Schlange für den Schlangenlederschuh sterben musste. Sie haben die undankbare Aufgabe, an Ort und Stelle Einschätzungen abzugeben und Kategorisierungen vorzunehmen, ohne die dafür eigentlich nötige Expertise zu haben.   

Zudem hat der Zoll oft andere Prioritäten. So wird offensichtlich solcher Schmuggelware mehr Aufmerksamkeit geschenkt, die bei erfolgreicher Beschlagnahmung lukrative Einnahmen für die Staatskasse verspricht, wie z.B. Zigaretten, Alkohol oder andere Drogen. Wildtierprodukte werden allzu oft nur dann eingezogen, wenn ganz eindeutig ist, dass sie aus einem geschützten Tier hergestellt und widerrechtlich angeboten wurden. Und da das nun einmal leider äußerst schwierig festzustellen ist, werden letzten Endes nur geschätzte 10 Prozent der illegalen Importe tatsächlich auch vom Zoll aufgegriffen.

Als wäre dies alles nicht genug, müssen sich Zöllner auch immer wieder mit gefälschten oder fälschlicherweise ausgestellten Einfuhrgenehmigungen oder Zuchtbescheinigungen herumschlagen. Dies erschwert ihre ohnehin schon schwierige Arbeit und trägt weiter zu der hohen Durchlassquote bei.

Diese Erkenntnisse lassen zwei Schlussfolgerungen zu. So gibt es zum einen nach wie vor enorm viel Handlungsbedarf bei der Umsetzung bestehender Gesetze und der korrekten Einschätzung  der Problematik seitens Politikern und Vollzugsbehörden. Zum anderen sind es angesichts der vielen Probleme vor allem wir als Verbraucher, die dafür verantwortlich sind, den Handel mit geschützten Arten nicht aktiv zu unterstützen und gerade bei Souvenirkäufen  im Urlaub lieber zweimal hinzuschauen.

Arne Loth

Lesen Sie mehr über die Aktivitäten des IFAW gegen den illegalen Wildtierhandel.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO des IFAW
Präsident, CEO und Geschäftsführer IFAW-Deutschland
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
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Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
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Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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