Alma, das einsame Schiff

Seit letztem Juni ist der Handel für Kristján Loftssons spezielle Ware kniffliger geworden. Kristján Loftsson ist ein Walfänger in Island. Oder anders gesagt, er ist der Walfänger in Island.

Es ist immer spannend seine Versuche zu beobachten, das Fleisch von rund 160 bedrohten Finnwalen zu exportieren, die seine Firma Hvalur in den letzten Jahren getötet hat. Die Export-Statistiken zeigen, dass Loftsson bis vor sechs Monaten einige Tonnen auf unbekannten Routen nach Japan geschifft hat. Es ist unklar, an wen er das Walfleisch verkauft. Man vermutet, er liefert an seine eigene Firma in Japan, die dann wiederum die Ware an lokale Käufer vertreibt. Auf dem Tsukiji-Fischmarkt in Tokio kann man sicherlich geringe Mengen an isländischem Walfleisch finden. Letztes Jahr hat ein Online-Vertrieb für Hundenahrung sogar mit isländischem Finnwal-Futter geworben.

Allerdings wurde im letzten Juni der Handel dieser speziellen Ware etwas kniffliger. Zuerst standen die Häfen von Rotterdam und Hamburg stark unter Druck, den Umschlag von Walfleisch über ihre Häfen zu verbieten. . Als Konsequenz mussten sechs Container mit Finnwalfleisch wieder die Reise zurück nach Reykjavik antreten. Dann gab es im Februar dieses Jahres eine große Aufregung in ganz Kanada, als zehn oder mehr Container – gefüllt mit dem Produkt des todbringenden Handels – sich per Zug den Weg quer durch den Kontinent an die Pazifikküste bahnten.

Im späten März, kurz bevor die US-Regierung diplomatische Sanktionen gegen Island wegen des Walfleischhandels erließ, wurde Loftsson an einem Dock in der Nähe von Reykjavik gesehen. Mehrere LKW-Fuhren mit Kisten, auf denen die japanische Bezeichnung für „gefrorener Wal“ gedruckt war, wurden an diesem Tag auf das Kühlschiff Alma geladen – Zielhafen: Tokio.

Finnwale wurden von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet eingestuft. Island hat jedoch bei der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) einen juristisch umstrittenen Vorbehalt gegen das Walfang-Moratorium eingereicht. Ebenso hat Island eine Einschränkung des Handelsverbots von Walprodukten über das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES ersucht. Island widersetzt sich folglich der Weltöffentlichkeit und respektiert den internationalen Schutz der Finnwale nicht. Genau aus diesem Grund hat die US-Regierung kurz nach dem Auslaufen der Alma Sanktionen gegenüber dem Inselstaat erlassen.

So startete die Alma Richtung Süden und jeder wunderte sich, wohin sie wohl fahren werde. Es war klar, dass sie Kontroversen auslösen würde, egal wo sie anlegte. Zuerst waren alle Augen auf das Mittelmeer gerichtet, die gängige Route nach Japan über den Suez-Kanal. Die Alma jedoch steuerte an der Meerenge von Gibraltar vorbei.

Sie fuhr entlang der gesamten Länge Afrikas Richtung Durban, Südafrika, gleich hinter dem Kap. Das war offensichtlich der lange Weg von Island nach Japan. Als sie sich Durban näherte, unterschrieben Tausende eine Petition, die Südafrika aufforderte, das Schiff mit seiner unerwünschten Fracht abzuweisen. Letzten Endes legte die Alma nicht in Durban an und setzte ihre einsame Reise fort, vermutlich Richtung Singapur.

So irrt sie nun über den Indischen Ozean. Einige werden vielleicht die britische Fußballmannschaft Millwall kennen. Ihre Fans singen immer stolz: „Niemand mag uns. Wir machen uns nichts daraus.“ Das singen sie vielleicht auch auf der Alma…

Robbie Marsland

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